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Sensorische Integration – Bausteine der kindlichen Entwicklung

17.10.2018 CJD Erfurt « zur Übersicht

Seinen Körper in den unterschiedlichsten Positionen spüren, das Gleichgewicht trainieren, eigene Belastungsgrenzen wahrnehmen und das Experimentieren mit unterschiedlichen Reizen – um Dinge wie diese geht es bei der sogenannten Sensorischen Integration.

Insgesamt 19.297 Euro hat das CJD Spendenparlament im Frühjahr 2018 bewilligt, um die Sensorische Integration im Erfurter CJD Kindergarten „Die kleinen Europäer“ auf feste Beine zu stellen. Janine Schäfer, Heilpädagogin im CJD Kindergarten, hatte die Idee zu dem Projektantrag. Mit dem Thema „Sensorische Integration“ hat sie sich schon in ihrer Abschlussarbeit beim Studium beschäftigt und wusste deshalb genau worauf es ankommt. „Sensorische Integration bildet die Basis für Vieles. Sie befähigt, motorisch besser zu sein und dann auch besser zu lernen“, erklärt Janine Schäfer die Hintergründe. „Sie fördert die Verarbeitung der aufgenommenen Sinneseindrücke, um die Bewegungen und Handlungen besser aufeinander abzustimmen. Qualitativ gut aufeinander abgestimmte Bewegungen und Handlungen unterstützen das Lernen“, so Janine Schäfer weiter. Aus ihrer Sicht ist es wichtig, dass man dieses „Lernen mit allen Sinnen“ in den Kindergartenalltag einfließen lässt, beispielsweise beim Morgenkreis oder durch Barfußlaufen. „Und das Gute ist, es profitiert jeder, und zwar immer.“

Mit den finanziellen Mitteln vom CJD Spendenparlament wurden für „die kleinen Europäer“ verschiedene Dinge angeschafft, beispielsweise ein Schaukelsystem, ein Bällebad, Sportgeräte sowie sensorisches Material. Es wurde ein neuer Raum zur Förderung der Sensorischen Integration eingerichtet, in dem nun ein Bewegungscenter mit einer großen Therapieschaukel steht. Das neue Material wird im Kindergarten fast täglich genutzt. Wenn eine Bewegungsstunde ansteht, wird der Multifunktionsraum kurzerhand in einen Sportraum umfunktioniert. Dann sind die Kinder kaum zu bremsen.

Neben Janine Schäfer werden derzeit zwei pädagogische Fachkräfte im Kindergarten im Bereich Motodiagnostik/Motothearpie ausgebildet. Das Projekt zur Sensorischen Integration soll Lernen ermöglichen, erleichtern und neue Lernwege aufzeigen. Es ist eine nachhaltige Anschaffung für die Förderung der Kinder im Kindergarten, die allen viel Spaß bringt.

Und wer es genauer wissen will:

Sensorische Integration ist die Verarbeitung von Sinnesinformationen, damit wir sie nutzen können (Geschmack, Sehen, Hören, Berührung, Geruch, Bewegung, Schwerkraft und die Position unseres Körpers). Dabei ist es wichtig zu wissen, dass Sensorische Integration ein unbewusster Prozess im Gehirn ist. Sie läuft ab, ohne dass wir darüber nachdenken müssen. Sie ermöglicht uns in jeder Situation zweckmäßig zu reagieren und sie stellt die Grundlage für schulisches Lernen und das Sozialverhalten dar. Sensorische Integration ermöglicht unserem Gehirn, Sinnesempfindungen zu lokalisieren, zu sortieren und zu ordnen, ähnlich wie es ein Verkehrspolizist machen würde, der den Verkehr regelt. Fließt der Verkehr (also die Sinnesempfindungen) organisiert und gut integriert, dann kann das Gehirn die Informationen nutzen, um Wahrnehmung und Verhalten zu erzeugen. Diese werden dann als Erfahrungen gespeichert. Anders gesagt: Wir lernen. Ist der Fluss von Sinnesempfindungen unorganisiert, kommt es im Leben zu einem „Verkehrschaos“. Wir sind dann nicht in der Lage, adäquat wahrzunehmen und entsprechendes Verhalten zu erzeugen. Somit wird unser Lernen negativ beeinflusst. Die Gründe für so ein „Verkehrschaos“ im Leben sind sehr vielschichtig und können jedes Kind betreffen.

Bei der Förderung der Sensorischen Integration ist es wichtig, den Kindern sukzessive neue geordnete Sinnesempfindungen unter Berücksichtigung ihres Entwicklungsstandes zu ermöglichen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Gleichgewicht, der Eigenwahrnehmung (Stellung des Körpers, Kraftdosierung, Bewegung des Körpers) und der taktilen Wahrnehmung (Wahrnehmung durch Berührungen über die Haut). Man nennt diese drei Schwerpunkte die Basissinne. Bewegung ist der Schlüssel zur Wahrnehmung. Deshalb wurden für den Kindergarten Materialien ausgewählt, die Angebote zur Bewegung ermöglichen.

Dank der Finanzspritze vom CJD Spendenparlament konnte Raum geschaffen werden für gezielte Bewegungsabläufe und ebenso für Ruhe, Entspannung und stille Angebote, um neue Sinneserfahrungen und Lernen zu ermöglichen bzw. zu erleichtern.