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Besser als jedes Teambuilding – CJD-Kollegen pilgern drei Tage entlang des Rennsteigs

15.09.2017 CJD Erfurt « zur Übersicht

„Ich bin dann mal weg!“ Spätestens seit Hape Kerkelings Memoiren ist Pilgern ein Thema der breiten Öffentlichkeit. Dabei ist diese besondere Art der Wanderung keine Erfindung der Neuzeit, sondern geht schon auf das frühe Mittelalter zurück. Aus dem lateinischen „pergere“ – in der Fremde sein – stammt die Wortbedeutung und meint, dass sich der Reisende auf den Weg macht, um mit Gott eine Verbindung aufzunehmen und sich damit gleichsam auf eine Reise nach seinem Selbst zu begeben. Der Pilgernde soll diese Reise nutzen, um zu sich zu finden, befreit von dem Wulst aus Alltagsinformationen, die tagtäglich auf ihn einprasseln. Dabei geht es um die Rückbesinnung auf eigene Werte, darum Ruhe zu finden und in der Einfachheit der Natur inne zu halten. So heißt es in einem Sprichwort: Wer wandert tut sich etwas Gutes, doch wer pilgert kommt verändert ans Ziel.

Seit sieben Jahren findet sich in wechselnder Besetzung eine kleine Gruppe von Mitarbeitern des CJD Erfurt zusammen, um gemeinsam auf Pilgerschaft zu gehen. Initiiert durch den ehemaligen Jugenddorfleiter, pilgern sie einmal im Jahr auf verschiedenen, 50 bis 60 Kilometer langen Strecken durch Thüringen. So auch vom 9. bis 11. September 2017. Da führt eine ambitionierte Strecke die 16 Kollegen umfassende Gruppe entlang des westlichen Rennsteigs und auf die Fußspuren Martin Luthers. Die Stempel im Pilgerheft zeigen am Ende der Reise, wo der Weg lang führte: Von Hörschel über den Inselsberg bis an den Grenzadler nach Oberhof. Drei Tage, zwei Nächte, gut 60 Kilometer und bis zu 600 Meter Höhenunterschied. Das Gepäck ist minimalistisch. Jeder trägt einen Rucksack, in dem das Nötigste für zwei Übernachtungen verstaut ist – Wechselkleidung, eine Flasche für Wasser und eine an einem Karabiner befestigte Aluminiumtasse. Damit bleibt der Kaffee auf den Rasten länger warm.

Die Pilgernden suchen gemeinsam Ruhe und kommen bereichsübergreifend ins Gespräch. Denn die Teilnehmer kommen aus verschiedenen CJD-Bereichen zusammen: aus Kindergarten, Schule, Wohnbereichen, Verwaltung und anderen. Silvia Krusche beispielsweise kommt aus der Verwaltung und sieht sich als Urgestein der CJD-Pilgerreise. Bei allen sieben CJD-Pilgerwanderungen war sie dabei. Dieses Jahr übernahm sie mit weiteren Kollegen die Planung der Wegstrecke. Die gestaltet sich als nicht so einfach. Besonders der zweite Pilgertag ist sehr kräftezehrend, weil da auf kurzer Distanz ein Aufstieg von 434 auf 916 Höhenmeter (Inselsberg) absolviert werden muss. „Im nächsten Jahr sollten wir die Strecke vorher mal ablaufen“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Doch umso größer ist die Freude, diese Etappe geschafft zu haben.

Jedes Jahr finden sich alteingesessene und neuen Wallfahrtsdurstige zusammen. Die Erfahrungen der Vorjahresteilnehmer locken Neugierige an. Und auch die dabei entstehende Gruppendynamik eilt dem Ruf der Pilgerschaft voraus. Alle bleiben zusammen. Trotz unterschiedlicher Laufgeschwindigkeiten wird aufeinander gewartet. Abends sitzt man beisammen, spricht über den Tag, dichtet gemeinsam Lieder oder plant die Route für nächstes Jahr. „Eine solche Gruppendynamik entsteht in keinem Teambuilding“, hält Haustechniker Gunnar Hüttig fest.

Es ist Montag, der 11. September 2017. Die letzte der drei Etappen führt vom Berghotel Ebertswiese zum Grenzadler in Oberhof. Diesmal mit ein wenig Zeitdruck. 15 Uhr ist in einem Gasthaus dort reserviert. Und zu Beginn, um 9 Uhr, liegen noch gut 20 Kilometer vor den Besinnungssuchenden. Das Wetter ist mäßig, der Himmel wolkenverhangen, ein böiger Wind weht, Regen kündigt sich an. Es gilt zu laufen, um warm zu bleiben. Gegen Mittag zieht Nieselregen auf. Aber auch Wetter, das nicht mitspielt, gehört zu einer Pilgerwanderung dazu.
 
Gegen 12 Uhr nehmen sich alle gemeinsam Zeit zum Innehalten. Diakon Michael Pohl hält eine Andacht. „Alles hat seine Zeit“ ist das diesjährige Motto der Pilgerwanderung und Andachten. Michael Pohl stellt dazu in einem Begleitheft eine Sammlung aus Psalmen, Losungen und Liedern zusammen. Das wird während der Pilgerschaft immer wieder gebraucht, wenn daraus gelesen oder gesungen wird. Auch ein Liedtext von Peter Maffay ist dabei. „Alles im Leben hat seine Zeit; Verdammen, Vergeben, Freude und Leid. …“. Gunnar Hüttig intoniert mit der Mundharmonika die Andacht – „Morning has broken“.

Erinnerungen an diese Ausflüge bleiben im Kopf, im Herzen und auf Papier. Zum Abschluss der Wallfahrt verteilt Pilgervater Matthias König ein Heft mit Anekdoten, Zitaten und Texten. Ein Jahr lang hat er dafür gesammelt. Auf dieser Wanderung beginnt er bereits mit der nächsten Sammlung. Das Fazit der diesjährigen Pilgerschaft: Zur Ruhe kommen, den Alltag ausblenden, den Kopf frei bekommen, mit Gott in Kontakt kommen, aber auch mal innerbetrieblich einen Dialog auf Augenhöhe führen - die gesetzten Ziele hat sich jeder Mitarbeiter auf seine Weise erfüllt. Erschöpfte Füße machen sich bemerkbar, aber das wird gern in Kauf genommen, wenn sich zur Belohnung ein Glücksgefühl einstellt. Wir haben es geschafft! Gemeinsam! Wo es im nächsten Jahr hingeht, steht auch schon fest: Nach Ostthüringen in das Mühltal. Es muss nur noch ein Organisator gefunden werden.

Tipp:
Ein weiterer möglicher Punkt für die berufliche To-Do-Liste ist es, einmal Pilgern zu gehen. Das dadurch ermöglichte Innehalten und die Momente der Ruhe lassen sich nutzen, um etwaigen Berufsstress auszublenden und den Alltag einen Augenblick hinter sich lassen. Und um einfach mal wieder Kraft aufzutanken. Es gibt nicht viele solcher vorrausetzungsarmen und günstigen Mittel zur Entschleunigung. Der erste Schritt ist nur, den Anfang zu machen… und das richtige Schuhwerk.
Schon vor der eigenen Haustür finden sich Strecken, die sich als Pilgerweg eignen, ohne als solche ausgewiesen zu sein. So kann der 170 Kilometer lange Rennsteig ein Pilgerweg sein, aber auch direkt mit einer Jakobsmuschel ausgewiesene Wege sind in Thüringen zu finden, wie der ökumenische Pilgerweg, der entlang der via Regia quer durch Thüringen führt. Auch Pilgern auf den Spuren starker Frauen ist von Paulinzella nach Erfurt möglich. Auf www.thueringen-entdecken.de sind einige nützliche Informationen zum Pilgern in Thüringen bereitgestellt.