Das CJD - Die Chancengeber CJD Erfurt


Viele haben sicherlich schon einmal von dem Beruf des Heilpädagogen gehört. Aber was steckt eigentlich genau dahinter? Unsere neue Rubrik „Mein Job, dein Job“ soll Einblicke hinter die Kulissen der verschiedenen Berufsfelder im CJD Erfurt geben. Den Anfang macht Silvia Kleine, die als Heilpädagogin im CJD Kindergarten „Die kleinen Europäer“ arbeitet.

Frau Kleine, was muss man sich unter dem Beruf „Heilpädagogin“ im Kindergarten vorstellen?

Heilpädagogische Maßnahmen beinhalten die frühe Förderung und Begleitung von Kindern, die in ihrem Entwicklungsprozess beeinträchtigt sind. In der heilpädagogischen Förderung unterstütze und begleite ich Kinder in ihrer Lernentwicklung, in ihrem sozialen Verhalten sowie in ihrem emotionalen Erleben. Dabei steht die ganzheitliche Förderung im Mittelpunkt und dass jedes Kind die Möglichkeit hat, sich individuell zu entwickeln.

Auch die Beratung der Angehörigen und anderer Bezugspersonen wie Erzieher oder Lehrer stellt einen wichtigen Aufgabenbereich der Heilpädagogen dar. Heilpädagogische Therapien sind Maßnahmen der Eingliederungshilfe und der Hilfen zur Erziehung nach dem Bundessozialhilfegesetz (BSHG) und dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII). Die Behandlung ist für Eltern kostenfrei, die Kosten werden bei ärztlicher Verordnung von den Sozialhilfeträgern übernommen. In unserem Kindergarten ist dies eine selbstverständliche Fördermaßnahme und im Konzept verankert.

Mit welchen 5 Schlagwörtern würden Sie Ihren Job beschreiben?

Was heißt hier Job? Mein Job ist meine Berufung! Ich stelle zunächst einmal einen hohen Anspruch an mich selbst, dies bedeutet in erster Linie:

  • die Einfühlsamkeit und die Liebe zu den Kindern
  • didaktisches und methodisches Fachwissen
  • das Erfassen des Entwicklungsstandes und der Persönlichkeit des Kindes, um so eine individuelle und fachspezifische Förderung zu ermöglichen.

Was war Ihre Motivation, sich im CJD Erfurt als Heilpädagogin zu bewerben?

Zur damaligen Zeit war ich in der Berufsbegleitenden Fachausbildung zur Heilpädagogin in Berlin. Das CJD Erfurt suchte eine Heilpädagogin im Kindergarten, auf diese Stelle habe ich mich beworben. Nach 12 Jahren kann ich nun sagen „Und das war gut so!“ Ich fühle mich hier wohl und angekommen.

Welche Eigenschaften muss man mitbringen, um im Kindergarten Ihren Job zu machen?

Nervenstärke, Ausdauer, Einfühlsamkeit, hohe Empathie zu den Eltern, Teamgeist und Eigenschaften wie eine gute Stabilität und Liebe zu den Kindern.

Welche Kinder dürfen in den Genuss Ihrer spielerischen Angebote kommen?

In erster Linie erfolgt eine diagnostische Abklärung. Die Bedürfnisse der Kinder sind natürlich auch ein wichtiger Punkt. Grundsätzlich kann jedes Kindergartenkind in den Genuss dieser Angebote kommen. Wenn es nicht bei mir in den Förderstunden ist, so gibt es noch die Möglichkeit in den christlichen Kinderstunden oder auch in den Mittagsangeboten dabei zu sein. Hier werden auch immer altersentsprechende Angebote didaktisch-methodisch sowie auch alltagsnah angeboten.

Wie sieht so eine typische Förderstunde bei Ihnen aus?

Das kann man so allgemein nicht sagen, denn jede Förderstunde ist so individuell wie das Kind. Ich gehe immer vom aktuellen Stand des Kindes aus, um den nächsten erfolgreichen Schritt für das Kind zu erreichen und dass es die Freude darüber spürt.

Es kann sein, dass eine Stunde vorbereitet ist, doch auf einmal ganz anders gestaltet werden muss, weil einfach die Bedürfnisse des Kindes ganz andere sind. Doch das macht gar nichts, denn es ist wichtig, sich im Spiel auf das Kind einzulassen. Es gibt in einer Fördereinheit kein Richtig und kein Falsch, sondern nur die Frage „Wo möchtest du hin, um weiter zu kommen?“

Um jedoch einen kleinen Einblick zu geben: in einer Förderstunde ist alles möglich von Apfelkompott kochen über Basale Stimulation bis hin zum Zirkus spielen.

Gibt es Herausforderungen, mit denen Sie sich in Ihren Förderstunden auseinander setzen müssen?

Es gibt immer Herausforderungen. Die Zielstellung für jedes Kind ist geplant, jedoch ist immer die Tagesverfassung des Kindes einzubeziehen. Es ist immer wichtig, das Kind zu motivieren und positiv zu erreichen. Das bedeutet, immer flexibel im Denken und Handeln zu sein. Selbst eine Niederlage als positiv zu sehen, kann ein neuer Anfang sein.

Was ist für Sie das Besondere an diesem Beruf?

Das Besondere für mich ist, die Kinder ein Stück in ihrem Leben zu begleiten, ihre Ressourcen zu entdecken und diese zu fördern, damit sie mit ihren neu erlernten Fähigkeiten weitergehen können.

Dr. phil. Jirina Prekop, eine bekannte Diplom-Psychologin, hat einmal gesagt, und auch ein Elternbuch so genannt, „Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen“. Dieser Satz sagt für mich alles und er prägt meine Arbeit als Heilpädagogin.

08.12.2016