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Voll ins Schwarze getroffen – „Typisch blind!?“-Projekt begeisterte Erfurter Grundschüler

12.11.2019 CJD Erfurt « zur Übersicht

Auf dem Flur der Aktiv-Schule Erfurt sammeln sich neugierige Schüler um die blinden Referenten Maik Benschig und Niels Grobb vom CJD-Projektteam „Typisch blind!?“. Neben einem Hindernisparcours liegen Augenklappen, Simulationsbrillen und Blindenlangstöcke in Kindergröße. Im Klassenraum finden sich 10 weitere Stationen mit spannenden Materialien, die die Kinder in die Welt des „Blindseins“ entführen. Heute ist ein ganz besonderer Tag, denn das von Aktion Mensch geförderte Projekt findet zum vorerst letzten Mal statt. Innerhalb der vergangenen Monate besuchte das Projektteam insgesamt 10 Schulen im Raum Erfurt – neben der Aktiv-Schule beispielsweise auch die Astrid-Lindgren-Schule, die Otto-Lilienthal-Schule oder die Europaschule, um nur einige zu nennen.

Eine unglaubliche Erfahrung, sowohl für die Schüler, als auch für das Projektteam. Der Ablauf war an jeder Schule gleich. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und dem ersten Kennenlernen ging es für die teilnehmenden Kinder in die Experimentierzeit. Anfassen, ausprobieren, schnuppern… In der Experimentierzeit war alles erlaubt, was sich rund um die restlichen vier Sinne drehte. Die Schüler durften selbst ausprobieren, wie es ist, sich nur auf den Geruchssinn, den Tastsinn oder das Gehör zu verlassen. Egal ob beim Geruchs- und Geräusche-Memory, der Rückenmalerei, dem Hindernisparcours mit Blindenlangstock – an jeder Station waren entweder Ohren, Nase oder Hände gefragt.

Maik Benschig und Niels Grobb waren mittendrin und brachten die Kinder immer wieder zum Staunen, als sie an ihren Stationen aus einem Buch in Brailleschrift vorgelesen oder ein Stuhlgeflecht bearbeitet haben. Im Anschluss an die Experimentierzeit ging es in die Fragerunde, in der die Schüler den beiden blinden Referenten Löcher in den Bauch fragten. Wie erkennst du deinen Lieblingsjoghurt? Wo hast du lesen gelernt? Sind dir Farben wichtig? Wie ziehst du dich an?

An der Aktiv-Schule haben sich die Grundschüler hinterher im Sitzkreis über das Erlebte ausgetauscht. Mit Begeisterung haben die Kinder berichtet, wie toll sie es fanden, was die blinden Referenten ihnen erzählt und gezeigt haben. „Sie haben Verständnis erfahren und finden es toll, wie ‚normal‘ die beiden ihr Leben annehmen und was sie leisten. Es hat viel Spaß gemacht“, berichtet Lehrerin Irene Wonneberger freudig.

Im Rahmen des Projekts wurde ganz gezielt das Thema „Teilhabe“ kindgerecht aufgearbeitet. Es soll Mut machen, zum Nachdenken anregen und mögliche Hindernissen in den Köpfen gegenüber blinden Menschen abbauen. Viele Kinder hatten kaum bzw. noch nie Berührungspunkte mit Menschen mit Behinderungserfahrungen und waren sehr interessiert und berichteten ebenfalls von ihren Ängsten. Den Abschluss des Projekts rahmte die Urkundenübergabe inklusive Button und Broschüre, in der spannende Geschichten, Übungen und die wichtigsten Erkenntnisse des Projektteams für Familie, Freunde und Nachbarn zusammengefasst sind. Das Projekt „Typisch blind!?“ orientierte sich an einer Pädagogik der Vielfalt und Teilhabe. Kurz gesagt: Es wurden dort Vorurteile und Unsicherheiten gegenüber Menschen abgebaut, die ganz normal anders sind.

Nach drei intensiven Stunden an der Aktiv-Schule Erfurt hieß es zum letzten Mal, Stationen zusammenpacken, Blindenstöcke auseinanderschrauben und im Auto die Eindrücke der letzten Stunden Revue passieren lassen. In diesem Sinne ganz lieben Dank an alle Lehrer, Erzieher und natürlich Schüler fürs Zuhören, Ausprobieren, Schnuppern, Fühlen, Tasten, Löcher in den Bauch fragen und vor allem Vorurteile abbauen. Schön war´s! Und wer weiß, vielleicht öffnen Erfurts Grundschulen bald wieder ihre Klassenzimmer für ein neues CJD Projekt.