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Startschuss für die Durchführung eines Modellprojektes – Bewohner des Storchmühlenwegs unterschreiben eigene Mietverträge

03.07.2017 CJD Erfurt « zur Übersicht

Passanten und Nachbarn wundern sich vielleicht, warum im Storchmühlenweg 1 das CJD-Schild vom Hauseingang entfernt wurde, obwohl es keinen Auszug gab. Das hat einen guten Grund, denn seit dem 1. Juli 2017 haben die Bewohner der ehemaligen Außenwohngruppe des CJD Erfurt ihre eigenen Mietverträge.

Damit ist der Startschuss für das Projekt mit dem Titel „Modellprojekt zur Umwandlung eines stationären Angebotes in eine personenzentrierte Komplexleistung“ gefallen. Inhalt ist die Flexibilisierung und Individualisierung der Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft und Teilhabe am Arbeitsleben. Das heißt, ab sofort ist die ehemalige Außenwohngruppe keine stationäre Einrichtung des CJD Erfurt mehr. Die Bewohner, die Pflegeleistungen, Unterstützung oder Beratung brauchen, können diese als ambulante Leistungen in Anspruch nehmen. Ziel des neuen Projektes ist unter anderem die Gewinnung einer selbständigen und selbstverantwortlichen Lebensführung.

Dem Projektstart voran ging eine einjährige Vorbereitungsphase. Formalitäten wurden mit Ämtern geklärt. Es gab regelmäßige Informationsveranstaltungen in Leichter Sprache für die Bewohner und ihre gesetzlichen Betreuer. Alle beteiligten Personen wurden von Beginn an über das geplante Vorhaben informiert und einbezogen. Am Ende waren sich alle sicher, dass sie den Versuch gemeinsam wagen wollen.

Insgesamt leben 10 Menschen mit Behinderungserfahrungen in dem Mietshaus im Storchmühlenweg. Alle von ihnen arbeiten in den Erfurter Werkstätten des CJD Erfurt. Für die bisherige Außenwohngruppe wurden im Jahr 2003 vier Etagen angemietet, bestehend aus drei Etagenwohnungen, die als Wohngemeinschaften genutzt wurden, und einem Büro. Das Dachgeschoss wurde nicht vom CJD Erfurt gemietet, hier wohnt eine Familie mit Kind. Mit der Umsetzung des Modellprojektes ab 1. Juli 2017 ändert sich nichts an der Mieterkonstellation. Alle Bewohner haben sich dafür entschieden, vorerst weiterhin im Storchmühlenweg 1 wohnen zu bleiben.

Zum Start des Projektes gab es im Hinterhof des Mietshauses eine Grillparty mit den Bewohnern, ihren Angehörigen und den Projektverantwortlichen. Mit dabei war auch Christian Steinmann. Er hat lange auf diesen Tag hingefiebert. „Das ist mein erster eigener Mietvertrag. Ich bin richtig stolz darauf“, freut sich der 21-Jährige. Von jetzt an bezahlt er, wie seine Nachbarn auch, die Miete von seinem eigenen Konto. Er hat die gleichen Rechte und Pflichten wie jeder andere Mieter. Das CJD Erfurt fällt als Zwischenmieter weg. Um all das besser zu verstehen, gibt es sogar einen Mietvertrag in Leichter Sprache für die Bewohner des Storchmühlenwegs.

Das Projekt wird vom Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familien, der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege und den kommunalen Spitzenverbänden begleitet. „Durch die Projektbegleitung sollen praktische Erfahrungen über notwendige Prozesse und Strukturen gewonnen, aber auch Fragen oder Probleme mit der Einführung personenzentrierter Komplexleistungen identifiziert werden“, erklärt Ivonne Höhn, Fachbereichsleiterin Wohnen und Begleiten im CJD in Thüringen. „Wir sind mit diesem Modellprojekt Vorreiter in Thüringen“, so Ivonne Höhn weiter. Bis zur kompletten Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes im Jahr 2020 wird das CJD Erfurt schon viele Erfahrungen mit der Erbringung von personenzentrierten Komplexleistungen gesammelt haben, von denen die Kunden und auch andere Träger profitieren können.