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Mittendrin statt nur dabei

05.02.2016 CJD Erfurt « zur Übersicht

Erfahrungen einer Praktikantin aus dem Begegnungszentrum für Senioren

 

Praktika gehören heutzutage zu jeder Ausbildung dazu. Sabine Himmelstoß,
die gerade eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin macht, hat schon drei
mehrmonatige Praktika hinter sich. Für ihr Prüfungspraktikum hat sie sich das
CJD Erfurt ausgesucht. Seit Anfang November 2015 arbeitet sie im Begegnungs-
zentrum für Senioren in der Großen Ackerhofsgasse. Insgesamt fünf Monate
dauert dieses Praktikum. Sabine wurde von Anfang an in die Strukturen ein-
gebunden und ist mittlerweile ein festes Teammitglied. Der Tagesablauf wird
gemeinsam mit den Senioren geplant und gestaltet, dabei stehen ihre Wünsche
und Interessen im Mittelpunkt. „Kein Tag gleicht dem anderen und somit wird es
auch nie langweilig. Gemeinsames Musizieren, Gesellschaftsspiele, Spaziergänge,
kreatives Gestalten, gemeinsame Einkäufe, Kochen und Backen – bei allem geht
es auch immer darum, die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Senioren zu erhalten“,
sagt Sabine. Es wird großen Wert auf Selbstbestimmung und Selbständigkeit
gelegt und so packen zum Beispiel in der Küche alle mit an. Nach dem Mittag
wird es dann etwas ruhiger, die Senioren können sich ausruhen und auch Sabine
kann kurz durchatmen.

Für ihre Facharbeit hat sich die 28-Jährige zwei Senioren mit Wahrnehmungs-
störungen ausgesucht. Um diese kümmert sie sich besonders intensiv und
fördert sie mit bestimmten Angeboten. Ihr Facharbeitsthema klingt erst einmal
kompliziert, der Titel lautet „Die Erhaltung der Selbständigkeit bei Menschen mit
Wahrnehmungsstörungen in einer Begegnungsstätte für Senioren mit Behinderung
durch Basale Stimulation“. Sabine erklärt, was darunter zu verstehen ist: „Basale
Stimulation ist ein pädagogisch-therapeutisches und pflegerisches Konzept.
Durch ganzheitliche, körperbezogene Kommunikation werden beeinträchtigte
Menschen unterstützt. Ihre Wahrnehmungs-, Kommunikations- und Bewegungs-
fähigkeiten sollen durch Basale Stimulation unterstützt werden.“

Bei ihren beiden Senioren geht es vor allem darum, den Orientierungssinn zu
fördern und die Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern. Sabine hat sich dafür
besondere Förderangebote ausgedacht. So übt die geduldige Praktikantin mit
ihnen zum Beispiel das Treppensteigen und bestimmte Wege allein zu gehen,
oder bietet spielerische Wahrnehmungsübungen an. Eine Fühlkiste mit Natur-
materialien soll helfen, den Tastsinn zu schulen. Mit einem sogenannten
Geräusche-Memory wird der Gehörsinn trainiert. „Den Senioren macht es Spaß,
wenn sie neue Dinge ausprobieren können, sie sind sehr aufgeschlossen,
neugierig und genießen den persönlichen Kontakt“, beschreibt Sabine die
Zusammenarbeit mit den Rentnern im Begegnungszentrum.

Wenn man Sabine fragt, was ihr an ihrer Arbeit besonders gefällt, strahlen ihre
Augen: „Ich liebe es, mit Menschen zusammen zu arbeiten. Jeder ist auf seine Art
und Weise etwas Besonderes. Ich spüre jeden Tag die Freude und Dankbarkeit der
Leute, die ich begleite.“ Es gibt aber auch Tage, an denen im Begegnungszentrum
alles ganz anders kommt als geplant. Diese Tage sieht Sabine als größte Heraus-
forderung in ihrem Praktikum. Wenn jemand schlechte Laune hat, kann es auch
mal zu kleineren Reiberein kommen. „Doch auch solchen Situationen fühle ich
mich gewachsen, schließlich war ich schon zu Schulzeiten Streitschlichterin. Ich
schaffe es meistens, dass sich alle schnell wieder vertragen“, erklärt Sabine.

Vielleicht bleibt Sabine dem CJD Erfurt auch nach ihrem Praktikum erhalten. Sie hat sich nämlich auf eine Stelle im Wohnheim „Haus Lebensfarben“ im Amploniusweg beworben. Bis Ende Februar will Sabine ihre Facharbeit fertig haben. Im März steht dann die praktische Prüfung an. Wir drücken ihr dafür die Daumen!